Interview mit:

Christin Guhr

11.08.2011

1. Hallo Christin! Wie geht es dir und was machst du momentan (arbeitstechnisch etc.)?
Hallo alle zusammen! Mir geht’s sehr gut, denn ich hatte einen fantastischen Urlaub in Mexiko. Letzten Sommer habe ich im Reisebüro Korfi Tours in Coswig angefangen und fühle mich dort pudelwohl.

2. Bist du auch noch sportlich aktiv (Thema Volleyball oder andere Sportarten)?
Naja wenn ich ehrlich bin eher weniger. Im Winter war ich mit einer Freundin im Fitnessstudio und jetzt im Sommer bin ich viel draußen und auch öfters mit dem Fahrrad unterwegs.

3. In deiner Tätigkeit als Reiseverkehrskauffrau bist du ja auch viel unterwegs. Bleibt da auch noch Zeit für Hobbies?
Ja ab und zu bin ich beruflich unterwegs, was eine sehr schöne Abwechslung zum „Büroalltag“ ist. So durfte ich dieses Frühjahr nach Dubrovnik fliegen und im September geht’s noch einmal vom Reisebüro aus nach Fuerteventura und Lanzarote. Ansonsten bin ich gerne mit Freunden unterwegs oder entspanne einfach zu Hause auf der Couch und kuschel mit unserem Kater.

4. Viele unserer Leser kennen dich ja noch aus deiner aktiven Zeit beim DSC. Was die Meisten aber nicht wissen ist, dass du aus Königs-Wusterhausen kommst und schon in Berlin Volleyball gespielt hast. Vielleicht kannst du uns einen kurzen Abriss darüber geben, wie du zum Volleyball gekommen bist und was deine weiteren Stationen waren bis du dann beim DSC gelandet bist.
Ich habe in der Grundschule mit Freundinnen bei den Netzhoppers in Königs- Wusterhausen angefangen Volleyball zu spielen. Mit 13 bin ich dann von Jens Tietböhl gesichtet worden und anschließend aufs Sportinternat zum Olympiastützpunkt nach Berlin gewechselt. Nach der Jugend- und Juniorinnenzeit hatte ich noch mein letztes Jahr im Abitur in Berlin und habe bei den Volleycats in der 1. Liga gespielt. Nach einem Jahr und erfolgreichem Abitur bin ich in Dresden gelandet und habe diesen Schritt nie bereut.

5. Wie kam das Angebot von Dresden zustande?
Klaus Kaiser hatte mich angesprochen und nach einigen Gesprächen habe ich einen Vertrag in Dresden zunächst für 2 Jahre unterschrieben.

6. Hattest du auch andere Optionen (Welche?) Was gab den Ausschlag für Dresden?
Ja, ich hatte mehrere Angebote zum Beispiel von Münster, Leverkusen oder auch Schwerin vorliegen, welche alle sehr gut waren. Ausschlaggebend für meine Entscheidung nach Dresden zu kommen war schon die Nähe zu meiner Familie, zudem hatte ich damals noch einen Freund in Berlin, welchen ich dadurch öfter sehen konnte. Eine Herzentscheidung, welche mir schwer fiel, da alle Vereine sehr gute Bedingungen hatten.

7. Wie verliefen die ersten Monate in Dresden? Hast du dich gleich gut zurecht gefunden, oder gab es Anlaufschwierigkeiten?
Ich habe mich von Anfang an in Dresden wohl gefühlt. Einige Gesichter kannte ich noch von der Jugend- / Juniorinnennationalmannschaft und ich bin sehr gut aufgenommen worden. Nach einem Jahr war Dresden schon wie mein zu Hause, darum bin ich ja auch hier geblieben.

8. Du bist ja eher als ruhige, zurückhaltende Spielerin bekannt. Gab es auch Situationen, wo du mal richtig auf den Tisch gehauen hast?
Nein ich denke nicht. Jedenfalls nicht beim Volleyball. So bin ich nun mal und an meinem Charakter wird sich auch mit nun schon 29 Jahren nichts mehr ändern. Ich mag es nicht so im Mittelpunkt zu stehen, meine engen Freunde wissen aber auch, dass ich nicht immer so ruhig bin und auch mal sehr gerne singe (sehr zum Leidwesen der Anderen, da ich es überhaupt nicht kann). Alles andere wäre bei mir aufgesetzt und ich denke es muss diesen Typ von Menschen genauso geben wie die impulsiven Typen!:-)

9. Kannst du uns ein paar lustige/spannende Anekdoten aus deiner Dresdner Zeit erzählen?
Es gab viele schöne Momente und die Zeit möchte ich auch nie mehr missen. Lustig und spannend da fällt mir so schnell gar nichts ein. Aber der tollste Moment war einfach wirklich, als wir beim letzten Heimspiel, in der Saison wo wir Meister geworden sind, eingelaufen sind und alle Zuschauer aufgestanden sind und applaudierten, dass war Gänsehaut pur und alle Mädels die dabei waren werden diesen Augenblick bestimmt nie vergessen.

10. Dein Abgang aus Dresden war ja nicht ganz freiwillig. Als frisch gebackener Meister geht man eigentlich davon aus, dass man auch für die neue Saison einen Vertrag bekommt. Bei dir war das leider nicht der Fall. Wie siehst du diese Entscheidung aus heutiger Sicht?
Mit einem lachenden und weinenden Auge. Damals ist natürlich schon eine Welt für mich zusammengebrochen, denn das Volleyballspielen war der Lebensmittelpunkt. Aber jetzt mit dem gewissen Abstand, hat auch alles seine positiven Seiten und mir geht’s wie gesagt sehr gut und ich denke jetzt gerne an die „alten Zeiten“ zurück.

11. Du bist danach zu den Fighting Kangoroos Chemnitz in die 2. Bundesliga gewechselt. Warum nach Chemnitz? Gab es keine Angebote aus Liga 1?
Doch die gab es schon. Aber ich habe meine große Liebe gefunden und auch Dresden ist zu meinem Zuhause geworden. Dies wollte ich nicht aufgeben nur für den Sport. Denn der Sport endet irgendwann, aber Freunde, Familie, ein Zuhause und die große Liebe findet man nicht so schnell wieder. Und das war mir wichtig und ich bin der Meinung, dass es womöglich nicht gehalten hätte, das wäre es mir nicht wert gewesen.

12. In Chemnitz bist du gleich in eine Führungsrolle geschlüpft, warst Kapitän und hast maßgebend zum Aufstieg in die 1. Bundesliga beigetragen. Wie hast du diese Zeit erlebt?
Nach Chemnitz zu gehen und in der 2. Liga um den Aufstieg zu kämpfen war eine gute Entscheidung. Ich wurde auch dort von Anfang an gut aufgenommen und es hat mit den Mädels viel Spaß gemacht. Aber es war auch eine anstrengende Zeit. Ich habe halbtags noch bei PSW Reisen gearbeitet und bin dann abends viermal die Woche zum Training nach Chemnitz gefahren und dies hat schon an den Kräften gezerrt. Aber wir haben den Aufstieg in die 1. Liga geschafft und es war eine tolle Erfahrung.

13. Warum hast du nach nur einer Saison aufgehört und deine Karriere beendet? War deine Mission mit dem Aufstieg erfüllt?
Ich fand diesen Zeitpunkt optimal für mich und für einen Sportler ist es doch am besten, wenn er selber entscheiden kann, wann er aufhört. Nachdem ich dies in Dresden nicht selber in der Hand hatte, war der Aufstieg mit Chemnitz in die 1. Liga für mich der richtige Zeitpunkt. Ich bin deutscher Meister, bin mit Chemnitz aufgestiegen, das ist doch was Tolles und ein perfekter Zeitpunkt!

14. Hat dich seitdem das Volleyballfieber wieder gepackt?
Nein. Viele die mich sehen, gerade aus Volleyballzeiten, fragen mich immer und sind sehr verwundert wenn ich diese Frage mit nein beantworte. Aber für mich ist das alles völlig in Ordnung und ich fühle mich wohl damit. Zudem wissen die meisten auch nicht, dass ich chronische Schulterprobleme hatte oder auch noch habe. Ich habe viel Extratraining gemacht und leider auch sehr viele Schmerztabletten genommen. Ich denke, wenn ich jetzt wieder anfange mit spielen, werde ich auch wieder Probleme mit der Schulter bekommen und somit wieder Tabletten nehmen müssen, dies möchte ich nicht. Aber vielleicht kommt alles noch mit der Zeit. Man soll nie nie sagen!

15. Schaust du dir noch ab und zu die Spiele vom DSC an?
Diese Saison war ich leider zu keinem Spiel, aber verfolgt habe ich das Geschehen schon. Vielleicht ja wieder in der nächsten Saison.

16. Was sagst du zur überaus erfolgreichen letzten Saison und wie schätzt du den Vizemeistertitel in dieser Saison ein?
Ich gratuliere den Mädels und freue mich für das gesamte Team. Sehr schade das es nicht zum Titel gereicht hat, aber ich drücke ihnen beide Daumen für die nächste Saison.

17. Hast du eigentlich noch Kontakt zu aktiven oder ehemaligen DSC-Spielerinnen?
Ja, zu einigen Spielerinnen schon und mir ist dieser Kontakt auch wichtig. Denn man hat viel zusammen erlebt und es sind auch Freundschaften über den Sport hinaus entstanden.

18. Du bist mit Jana Gerisch gut befreundet. Trefft ihr euch noch regelmäßig? Wie geht es ihrer kleinen Familie?
Mit Jana habe ich ein sehr enges Verhältnis und ihrer Familie geht’s sehr gut. Der kleine Hugo hält alle auf Trab und bereitet allen große Freude.

19. Gibt es im Hause Guhr auch Nachwuchsplanungen, oder ist der Zeitpunkt noch nicht gekommen?
Natürlich möchte ich auch irgendwann Kinder bekommen, aber aktuell gibt’s da noch keine konkreten Planungen.

20. Wenn man in einem Reisebüro arbeitet, vermittelt man sich dann seinen Urlaub auch selbst? Wo soll es denn dieses Jahr hingehen?
Wie oben bereits schon erwähnt, war ich Ende Mai für 2 Wochen in Mexiko. Eine Woche Mietwagenrundreise und 1 Woche Baden. Ich kann dieses Land nur jedem empfehlen, es war wunderschön. Also wer Tipps braucht, einfach bei mir melden!

21. Vielen Dank für das Interview und alles Gute für die Zukunft!
Sehr gerne und ich wünsche allen noch einen wunderschönen Sommer und man sieht sich bestimmt mal in der Halle bei einem Heimspiel.